Bewährte Anordnung: der Mitteltöner on top, darunter folgen der Hochtöner und die beiden Bässe.

Chassis

Drei Wege mit Doppelbass in schmalem Gehäuse und das möglichst preiswert - wieder ein Fall für Visaton...
Erneut bediente ich mich bei den Klassikern der W-S-Serie, dieses Mal in Form des W 130 S.
Er wird pro Box gleich dreimal benötigt - zwei W 130 S8 beackern den Bass, ein W 130 S4 bedient den Mittelton.
Der 13er ist der zweitkleinste Treiber dieser Serie, besitzt aber die gleichen Attribute wie seine großen Brüder. Auch bei ihm arbeitet eine klangneutrale, resonanzdämpfend beschichtete Papiermembran mit elastischer Gummisicke in einem stabilen Blechkorb mit Ferritmagnet. Praxisgerechte Parameter, tadellose Verarbeitung und ein derzeitiger Straßenpreis von ca. 28.- €uro/Stück ergänzen das positive Gesamtbild und machen dieses Chassis nicht nur für den Mehrfacheinsatz zu einem echten "Schnäppchen".

Um in der angepeilten Preisklasse zu bleiben, entschied ich mich im Hochton für die Gewebekalotte SC 10 N.
Sie ist ebenfalls ein Dauerbrenner im Visaton-Programm, wobei der Straßenpreis von derzeit ca. 18.- Euro/Stück nicht über die Fähigkeiten dieses Hochtöners hinwegtäuschen sollte, der mit sauberer Verarbeitung, guten Messwerten und ordentlichem Rundstrahlverhalten bisher in jedem Test überzeugen konnte. Mit etwas Fingerspitzengefühl bei Trennfrequenz und Filterung liefert er auch klanglich vorzügliche Ergebnisse.
Unterm Strich liegt der Gesamtpreis für die Chassis einer Box bei gut 100.- Euro - das ist voll im Soll und für eine hifidele Vierfachbestückung ein Top-Angebot.

 

Gehäuse

Auch bei der "Swing" kommt das Doppelbassprinzip zum Einsatz. Beide W 130 S8 arbeiten auf ein 37-Liter- Bassreflexgehäuse und spielen dort bis etwa 48 Hz (-3dB). Der Kennschalldruck liegt bei ca. 85 dB.
Der als Mitteltöner eingesetzte W 130 S4 bekommt ein eigenes geschlossenes 3-Liter-Abteil, das sich im oberen Teil der Box befindet und mit zwei kleineren Brettern vom Bassgehäuse abgetrennt wird.
Die Box hat also insgesamt 40 Liter Gesamtvolumen und besteht außen aus 6 Brettern, die wahlweise auf Stoß oder auf Gehrung miteinander verleimt werden können. Zwischen den Seitenwänden werden zusätzlich noch zwei Holzleisten zur Stabilisierung angebracht.
Die Bassreflexöffnung befindet sich in Form eines 73mm großen Ausschnitts auf der Rückseite.
Ein zusätzliches Rohr wird also nicht benötigt - 19 mm Wandstärke vorausgesetzt.

Gehäusezeichnung12

Bedämpfung

Auf Boden, Rückwand und den hinteren Teil des Deckels wird jeweils eine Lage 40er-Noppenschaum flächig aufgeklebt. Die runde Reflexöffnung in der Rückwand muss offen bleiben, daher wird der Noppenschaum an dieser Stelle entsprechend ausgeschnitten.
Das Mitteltongehäuse erhält einen ca. 30 x 15 cm großen Streifen Sonofil, der mittig gefaltet locker in den Raum hinter dem Mitteltöner eingelegt wird.

 

Frequenzweiche

Ein dritter Weg innerhalb einer Lautsprecherkonstruktion bedeutet auch immer einen höheren Materialeinsatz. Neben dem zusätzlich benötigten Chassis für den Mittelton betrifft dies insbesondere das Filterwerk.
Zu den obligatorischen Bass-und Hochtonfiltern eines Zweiwegers gesellt sich bei einer Dreiwegweiche noch ein Bandpassfilter, das den Frequenzgang und die Trennfrequenzen des Mitteltöners steuert. Dabei werden ein weiterer Hoch- und ein Tiefpassfilter zusammengeschaltet, so dass hohe und tiefe Frequenzen ausgeblendet und dem Chassis nur noch die verbleibenden Mittenfrequenzen zugeführt werden.
In der Praxis führt dies schnell zu einer Verdoppelung der benötigten Bauteile, die sich oft in besonderem Maße beeinflussen und so die Abstimmung eines passiven Mehrwegesystems zu einer der anspruchsvolleren Aufgaben im Bereich der Lautsprecherentwicklung machen.
Um hier auf der sicheren Seite zu sein, nutzte ich für dieses Projekt erneut die Visaton-Datenbank des Programms BoxSim für eine Vorab-Simulation. Diese ergab für die beiden Bässe ein 18dB-Filter plus Saugkreis, für den Mittelton ein 18/12dB-Filter und für den Hochton ein 12dB-Filter plus Pegelsenker.

Von den in der Theorie kalkulierten Bauteilen fielen zwei Widerstände und der Saugkreis den Praxismessungen bzw. Hörproben zum Opfer. Die verbliebenen 11 Bauteile konnten jedoch unverändert für den Aufbau der Weiche übernommen werden - ein weiterer Beweis für die erstaunlichen Fähigkeiten dieses kostenfreien(!) Simulationsprogramms.

Insgesamt schlagen die für eine Box benötigten Weichenbauteile derzeit mit ca. 30.- Euro zu Buche (die Kalkulation erfolgte mit Standardbauteilen von Jantzen). Pandemiebedingt schwanken die Preise jedoch z.Zt. erheblich, so dass sich ein genauerer Preisvergleich zwischen den Anbietern lohnen dürfte.

 

Das Innenleben ist überschaubar. Für das Anschlusskabel des Mitteltöners wird ein passendes Loch in den Boden der kleinen Kammer gebohrt und das Kabel hindurchgeführt. Anschließend wird das Loch mit Heißkleber abgedichtet.

Der Weichenaufbau erfolgte mit Standard-Bauteilen. Im Hochtonzweig werkelt ein MKP Q6 von Intertechnik.

Messungen

Die Messungen erfolgten aus 1 Meter Entfernung und sind nicht pegelkalibriert.

Frequenzgang axial mit Raum:

Frequenzgang axial ohne Raum:

Gesamt_Achse_ohneRaum

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Weiche_plus_Dämpfung3
Weiche2 (2)1
Weiche Swing10
Gesamt_Achse_mit Raum_ungeglättet

Frequenzgang 0, 15, 30 und 45° mit Raum

Swing
40-Liter-Standlautsprecher

Viele Wege führen nach Rom, so sagt man. Für dieses Projekt sollten es drei Wege sein, die zum guten Klang führen. Entstanden ist eine schmale Standbox, die zwar optisch eher Mainstream, dafür aber wohnraumtauglich und einfach im Aufbau ist.

Gesamt_0_15_30_45°
Swing11
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