Jive
35-Liter-Standlautsprecher mit PA-Bässen und Hornhochtöner

Nach den positiven Erfahrungen mit dem 2-Wege-Doppelbass-Konzept der `Flamenco` , wollte ich in puncto Wirkungsgrad noch eins draufsetzen. Gleichzeitig reizte mich der komplette Einsatz von PA-Chassis, doch das Ganze sollte wieder wohnraumtauglich verpackt sein und so entstand eine recht kompakte 35-Liter-Standbox, die sich auch klanglich vor HiFi-Konstruktionen nicht verstecken muss:

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Auch bei der `Jive` gibt es viel Membranfläche

Chassis

Markenrein” und “preiswert” waren weitere Zielvorgaben und so wurde ich erneut in deutschen Landen fündig, genauer gesagt bei der Firma Monacor und deren Profi-Produktlinie IMGStageline, die so manche Überraschung zum günstigen Preis bereithält...

In diesem Fall zunächst in Form des PA-Tiefmitteltöners SPA-8PA . Mit einem Ladenpreis von derzeit um die 40.- € / Stück bietet er mit seinem Gusskorb, schwerem Magnet, üppiger Polkernbohrung, solidem Push-Terminal, hart eingespannter Papiermembran mit +- 4mm linearer Auslenkung und 94dB Kennschalldruck eine tolle Anfassqualität gepaart mit einem sensationellen Preis/Leistungsverhältnis. Die 8-Ohm-Nennimpedanz bei nur 16-18 Litern benötigten Bassreflexvolumen pro Einzelchassis, machten seine Verwendung im parallel geschalteten "Powerpack" schon fast zur Pflicht und für mich zu einem unwiderstehlichen Angebot. 

Den Hochtonpart übernimmt das bereits in anderen Bausätzen bewährte Hochtonhorn MHD-240  (Test Klang&Ton 6/2003), das mit momentan ca. 50.- € Ladenpreis ebenfalls ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis bietet. Es sieht dem Visaton HTH 8.7 aus der `Flamenco` recht ähnlich und wie bei anderen Hochtönern dieser Bauart, handelt es sich auch hier um ein glasfaserverstärktes Kunststoffhorn mit angeschlossenem Ferrit-Treiber und CD-Verhalten ("Constant Directivity"), was für 107dB Kennschalldruck und einen ausgewogenen Frequenzgang über alle Winkel sorgt.

Der Chassis-Gesamtpreis für eine Box beträgt damit (je nach Einkauf) ca.130.- € - wohlgemerkt für Material aus der Profi-Ecke !

Chassis_Übersicht_2

Links und Mitte: Der SPA-8PA ist für Hifi-Anwendungen schon ein "ordentliches Pfund". Rechts: das MHD-240 befindet sich schon recht lange im Programm von IMG.

Gehäuse

Auch in der `Jive` spielen beide Bässe auf ein gemeinsames Reflexvolumen. Bei den vorgegebenen Chassisparametern wies meine Gehäusesimulation für eine saubere Abstimmung insgesamt 35 Liter aus. Im Gegensatz zu HiFi-Chassis bieten die beiden SPA-8PA einen deutlich höheren Wirkungsgrad - im Gegenzug jedoch mit eingeschränkter Tiefbassfähigkeit, was die Simulation ebenfalls zeigte.

Dennoch erreicht die Box eine untere Grenzfrequenz von 55 Hz (-3dB), allerdings mit steilerem Abfall unterhalb der Eckfrequenz. Für die meisten Anwendungen ist dies aber völlig ausreichend und bietet in Räumen mit ausgeprägten Raummoden häufig sogar Vorteile.                                                                     

Um den tiefen Tönen trotzdem weiter auf die Sprünge zu helfen, habe ich bei diesem Projekt die Reflexöffnung nach vorn und in Bodennähe angeordnet. Dabei entspricht die Rohrlänge exakt der Schallwandstärke von 22 Millimetern, es wird also kein separates Rohr benötigt, vorausgesetzt man hält sich an die vorgegebenen 73 mm Durchmesser der Öffnung.

Gehäusezeichnung1

Das quaderförmige Gehäuse besteht auch hier aus 6 Brettern und 2 zusätzlichen Stabilisierungsleisten

Bedämpfung

Zur Bedämpfung gibt es auch hier nichts Besonderes zu vermelden - auf Rückwand, Deckel und Boden habe ich zugunsten einer kräftigeren Basswiedergabe lediglich je eine Lage 40mm-Noppenschaum mit einem geeigneten Kleber (z.B. Ponal) angebracht - fertig.
Je nach Standort und persönlichem Geschmack kann aber auch hier noch eine zusätzliche Bedämpfung an den Seitenwänden erfolgen.

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Frequenzweiche

Das Filterwerk wollte ich wieder möglichst einfach gestalten, schließlich handelt es sich um ein "Spaßprojekt" ohne größere audiophile Ambitionen. Dennoch sollte auch die `Jive` möglichst ausgewogen und stressfrei aufspielen und so sind auch hier entsprechende Anpassungen unumgänglich.

Nach den ersten Messungen und Vorabsimulationen habe ich mich erneut für Filter 2. Ordnung in beiden Zweigen entschieden. Im Bassbereich begradigt ein zusätzlicher Widerstand noch ein wenig die Wiedergabekurve und im Hochton folgt noch eine moderate Pegelabsenkung außerhalb des Signalwegs. Auch hier genügte ein Einzelwiderstand, denn das Horn spielt ziemlich linear und die beiden parallelen PA-Tieftöner geben bereits einen recht hohen Pegel vor - im Mittel etwa 96 dB.

Beide verwendeten Spulen sind Luftspulen und der Reihenkondensator im Hochtonzweig ist zugunsten feinerer Details wieder als MKP Q6  ausgeführt. Die Frequenzweiche besteht also insgesamt aus 6 Bauteilen - Preis meiner Bestellung pro Weiche: 11,95 Euro (zuzüglich Versand).

Für Röhrenverstärker habe ich noch eine optionale Impedanzlinearisierung vorgesehen, es sollte aber beachtet werden, dass die Box wegen der parallel geschalteten Tieftöner auf 4-Ohm-Niveau arbeitet..
 

Auf das Notwendigste beschränkt: Die Frequenzweiche besteht aus 6 Bauteilen und ist entsprechend preisgünstig zu realisieren.

Messungen  

Die Messungen erfolgten aus 1 Meter Entfernung auf Hochtönerebene und sind nicht pegelkalibriert.

Frequenzgang axial mit Raum:

Gesamt_Achse_mit Raum_unsmoothed

Frequenzgang axial ohne Raum:

Gesamt_Achse_ohneRaum_unsmoothed

Frequenzgang 0-15-30-45 Grad ohne Raum:

Gesamt_0_15_30_45_ohneRaum_unsmoothed

 Impedanz und elektrische Phase:

Impedanz_1

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